Deutschland einst die Nummer 1
In der ersten Hälfte des 20sten Jahrhunderts war Deutschland die unbestritten weltgrößte
Nation, wenn es um Kameras, Objektive und sonstige fotografische Ausrüstung
ging. Nicht mal die schweren Zerstörungen während den letzten Jahren des
Zweiten Weltkrieges, das Zusammenbrechen der Infrastruktur und die Aufteilung
des Landes hatten daran etwas ändern können. ‘Made in Germany’ und ‘Made in Western Germany’ waren in
aller Welt Garantie höchster Qualität.
Die wichtigsten Akteure
Ende der 50er Jahre gab es in
Deutschland sehr viele deutsche Kamerahersteller. Zum Bekanntesten gehörten
Adox, Agfa, Carl Braun Nürnberg (Braun), Gebrüder Wirgin (Edixa), Ernst Leitz
Wetzlar (Leica), Francke & Heidecke (Rolleiflex), Voigtländer und Zeiss
Ikon.
Agfa, Leitz, Voigtländer und
Zeiss-Ikon stellten auch Objektive für ihre eigenen Kameras her. Zeiss auch für
Kameras, mit denen sie nicht in direkter Konkurrenz war, wie Rolleiflex und
Hasselblad.
Johs. Schneider, Bad Kreuznach, Isco Göttingen plus Enna und Rodenstock waren optische Werke, die
keine Eigenproduktion von Kameras hatten, dafür lieferten sie Objektive an
andere Kamerahersteller, wie zum Beispiel Edixa und Kodak.
Die besten Kameras der amerikanischen Marke
Kodak, Retinette und Retina, kamen übrigens aus Deutschland und waren mit
Objektiven der Firma Schneider bestückt. Sind Sie alt genug, erinnern Sie
sie bestimmt.
Werbung deutscher Objektivhersteller |
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Rodenstock Objektive mit Fassung
und Auslöser für Exakta Varex. Es gab sie auch mit M42 Schraubfassung für Edixa,
Praktica, Pentacon - und Asahi Pentax.
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Objektive für Edixa Reflex von Jos.Schneider & Co. Optische Werke Kreuznach/Rheinland.
Die Namen waren Xenar und Xenon. Standard- and Weitwinkelobjektive hatten eine automatische Springblende, dieTeleobjektive dagegen nur Vorwahlblende.
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Deutsche Film-Marken damals waren vor allem Adox und Agfa. Agfa war der Name zwei
unterschiedlichen Firmen, entstanden als Konsequenz des Eisernen Vorhangs, Agfa
in Leverkusen BRD und Agfa in Wolfen, Ostdeutschland.
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Die Japaner
Im Horizont zeigten sich allmählich die Japaner.
Zuerst nahm man sie nicht ernst, weil
sie zwar sehr billige, dafür aber auch recht schlechte Kopien namhafter,
deutscher Produzenten herstellten, und mit denen kein Mensch mit Interesse für
das Fotografieren etwas anfangen könne oder wolle.
Nun, das sahen die Japaner, der Staat
wie auch die Produzenten selbst, ziemlich schnell ein, und danach wurden alle
Fotosachen aus Japan mit einem goldenen staatlichen Prüfsiegel versehen, und
die Qualität stieg raketenartig - und das der deutschen Fotoindustrie total
unbemerkt.
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Derart überzeugt der eigenen Überlegenheit waren die deutschen Hersteller, und hier von der gesamten deutschen Fotopresse bestens
unterstützt, dass sie es angeblich für total überflüssig hielt, auch nur noch
ein halbes Auge offen zu halten, um zu sehen, was eigentlich aus Japan kam.
Später nahm man sie ernst, aber
nun mit der Begründung, gegen die niedrigen, unfairen Preisen der japanischen Kopieprodukte
hätte die deutsche Fotoindustrie sowieso nichts aufstellen können.
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Die Nachahmer sprachen Deutsch
Vor Kurzem habe ich in einer deutschen Fotozeitschrift wieder dieses Postulat
gelesen. Falsch ist es. Anfang der 60er Jahre
gewannen die Japaner, nicht mit Kopien deutscher Kameras, sondern mit in Japan
entwickelten Produkten den Fotokrieg. Nicht mal sehr billig waren sie mehr, die
japanische Konkurrenz, aber preiswert schon.
Marken
wie Canon, Nikon, Asahi Pentax, Minolta, Konica, Topcon und Miranda waren via
amerikanischen und europäischen Fotohändler unaufhaltsam an die Verbraucher auf
dem Weg.
Nachahmung war an der deutschen
Niederlage schuld. Nur die Nachahmer sprachen längst nicht mehr Japanisch; sie
sprachen Deutsch.
Das Problem lag an zwei deutsche
Hersteller, Ernst Leitz und um noch mehr Zeiss-Ikon. Sie waren der anderen
Produzenten die Ikone bester Qualität, und was sie machten, musste richtig
sein. Sie waren die Vorbilder und – glaubten sie alle – die wahren Leitfäden des
Erfolges.
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Ernst Leitz Wetzlar
1913-1914 hatte Oskar
Barnack, ein Angestellter der Firma Leitz, nicht nur den Filmformat 24x36
erfunden, er hatte eine ganze Kamera dafür konstruiert. Wegen Ausbruchs des
Ersten Weltkrieges wurde sie aber erst 1925 lanciert. Leica hieß sie. Die
Leicas waren Sucherkameras höchster Qualität, und mit den 1954 und 1958 auf den
Markt gebrachten M3- und M2-Modellen war man an die Grenze der möglichen
Präzision gelangt:
Helles, genaues Sucherbild mit Parallaxen-Ausgleich plus
eingespielte und vom montierten Objektiv abhängigen Rahmen.
Ein äußerst
präziser Entfernungsmesser, auch im Sucherbild eingespiegelt, gehörte dazu, und die
Leitz-Objektive waren alle sagenhaft gut konstruieret, dafür auch sehr teuer.
Objektive mit Brennweiten zwischen 35 mm und 135 mm konnten direkt
montiert und verwendet werden. Wollte man es kürzer oder länger haben, gab es,
dank des Schlitzverschlusses technisch gesehen keine Probleme.
Nur musste man
bei 28 mm und dem hochgeschätzten 21 mm Super-Weitwinkel zu Spezialsuchern greifen.
Wollte man mit Brennweiten zwischen180 mm und 400 mm
arbeiten, gab es ein Spiegelgehäuse, Visoflex, das zwischen Objektiv und
Kameragehäuse montiert werden solle. Allerdings, aus der leichten,
schnellen und gut zu bedienenden Kamera wurde nun ein klobiges, unpraktisches
Monster einer Art Spiegelreflexkamera.
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Leica M3. Messsucherkamera höchster Qualität mit eingespielten Sucherrahmen für 35, 50, 90 und 135 mm Objektive. Zu spät sah die Fima Leitz ein, dass die Verbraucher Spiegelreflexkameras haben wollten.
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Leica M3 als vollmanueller "Spiegel-reflexkamera" mittels dem Visoflex Spiegelgehäuse.
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Zeiss-Ikon Stuttgart
Zeiss-Ikon stellte viele Kameratypen her. Einmal eine aufwendige
Messsucherkamera, Contax, mit Schlitzverschluss wie Leica, aber sonst meist anspruchslose Sucherkameras und
Contaflex, eine Serie von Spiegelreflexkameras, die alle Zentralverschluss hatten. Zeiss
setzte sich für dieses Verschluss so sehr ein, dass die beiden deutschen Hersteller von
Zentral-verschlüssen bald Zeiss-Ikon gehörten. Für einige Contaflex gabe es Objektivvorsätze, also keine richtige Wechselobjektive.
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Die Zeiss Contarex. Endlich und zu spät (um1960 lanziert und bis 1970/71 auf dem Markt) eine
Zeiss Spiegelreflex-kamera mit Schlitzverschluss. Die Kamera war in der Fertigung zu kompliziert und damit unnötig teuer herzustellen. Es gab nur 6 Objektive (21-250 mm Brennweite), und von einem eigentlichen Kamerasystem konnte kaum geredet werden. Hier war Zeiss dem japanischen
Mitbewerber Nikon klar unterlegen. Und die mehr reparaturanfällige, wie sie sich erwies, Contarex kostete um 30% mehr als eine Nikon F mit weit ausgebautenm System.
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Um es kurz zu sagen: Leica setzte auf den richtigen Verschluss, aber für einen - mit der Zeit - falschen Kameratyp. Zeiss hatte den richtigen Kameratyp, verwendete aber dafür einäugig den falschen Verschluss, bis sie endlich die zu teure Contarex auf den Markt brachte.
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Mit
Spiegelreflexkameras arbeitete man lange Zeit umständlich und sehr langsam. Die
ersten Modelle hatten einen Lichtschachtsucher, wo man von oben das Motiv
betrachtete. Das Bild war seitenverkehrt. Die Schärfeeinstellung war zwar sehr
präzise, doch musste man öfters eine ausklappbare Lupe zur Hilfe nehmen.
Die Mattscheibe
war dunkel und grobkörnig. Vor der Auslösung musste abgeblendet werden, und das
geschah lange manuell. Dadurch verdunkelte sich meistens kräftig das Sucherbild.
Wenn man den Auslöser druckte, klappte der Spiegel hoch, und da er nicht von
selbst zurückkehrte, blieb der Sucher schwarz bis man den Film weiterdrehte.
Um
wieder ein einigermaßen helles Bild zu haben, musste manuell am Blendenring die
Blende eröffnet werden.
Für
Landschaftsaufnahmen und Stillleben OK, für Reportage aber total ungeeignet. Hier
hatten Leica mit ihrem präzisen und klaren Messsucher und die zweiäugige Spiegelreflexkamera
Rolleiflex für 6x6 Aufnahmen klar die Nase vorne.
Mitte der 50er war Leica (zusammen mit Rolleiflex) noch weltweit Lieblingskamera professioneller Fotografen.
Doch in der letzten Hälfte des Jahrzehnts beseitigten die Japaner - nicht die Deutschen - weitgehend die ursprünglichen Schwächen der Spiegelreflexkamera der ausgereiften Messsucherkamera gegenüber. Rückschwenkspiegel (schon 1954 von
Asahi Pentax erfunden), automatische Springblende und bessere Mattscheiben mit
Schnittbildentfernungsmessung gehörten jetzt zur Tagesordnung.
Der Schlitzverschluss, dessen Vorteile in Zusammenhang mit Spiegelreflexkameras die Japaner, im Gegensatz zur
westdeutschen Konkurrenz, eingesehen hatten, wurde mit einem einzelnen Rad
eingestellt und ließ sich dadurch einfach mit einem Belichtungsmesser kuppeln
(wie auch schon an den Messsucherkameras Leica M2 und M3).
Bald danach
folgte nun auch Belichtungsmessung durch das Objektiv und zwar mit offener
Blende, wo die deutschen, als sie endlich zum Schlitzverschluss umstellten, mehr
auf die langsamere Arbeitsblendemessung setzten. In den 50er Jahren und bis
weit in den 60ern rüsteten mit zwei Ausnahmen (Wirgin Edixa und ab circa 1960 Zeiss-Ikon
mit Contarex) sämtliche westdeutsche Kameraproduzenten ihre Spiegelreflex-kameras
mit dem Syncro-Compur Zentralverschluss des Konkurrenten Zeiss-Ikon aus.
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Der Leica-Killer. Nikon brachte 1958
den legendären F-Modell auf den Markt.
Hohe Zuverlässigkeit und Vielseitigkeit
und eine breite Palette von Objektiven führten dazu, dass professionelle
Fotografen in aller Welt bald ihre Leicas gegen Nikons austauschten.
Leitz
hätte alle Möglichkeiten dafür gehabt, eine begehrte Spiegelreflexkamera zu
bauen. Auf eine solche, die Leicaflex, ließ es doch lange auf sich warten.
Zu lange und dann doch nicht Nikon und Canon ebenbürtig.
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Die legendäre Nikon F aus dem
Jahre 1958 wurde die Kamera der professionellen Fotografen.
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Der Zentralverschluss
Einen Vorteil dem Schlitzverschluss
gegenüber hatte der Zentralverschluss: Zeit und Blende ließen sich leicht
zusammenkuppeln, und deshalb wurde der Begriff Lichtwert erfunden.
Man stellte
den Lichtwert ein, und wenn man den Zeitenring drehte, folgte der Blendenring
mit (eine Art manuelle S-Priorität). Durch roten Zeiger ließen sich die dadurch
veränderten Werte der Schärfentiefe an der Entfernungsskala ablesen. Echt
genial - sei nun eine einfache Bedienung der Wunsch der Verbraucher.
Doch für auswechselbare Objektive
ist der Zentralverschluss, sitzen nicht die Verschlusslamellen zwischen den
Linsen des Objektivs – wie bei Hasselblad - ungeeignet.
Weil dann jedes Objektiv seinen eigenen Verschluss haben müsse, und das den
Produzenten zu teuer vorkam, saß bei allen deutschen Kleinbildkameras für
auswechselbare Objektive der Zentralverschluss im Kameragehäuse, nicht in den
Objektiven, und deshalb konstruktionsbedingt weit vorne. Und das gab etliche
Begrenzungen: Brennweiten über 135 mm waren fast unmöglich zu verwenden, Tele-
und Weitwinkel-Objektive konnten nicht lichtstark gebaut werden, und weil sich die
hintere Objektivlinse durch die Position des Verschlusses fast nicht nach
hinten bewegen konnte, musste man sich bei einem 135 mm Objektiv mit einer
Nahgrenze von stolzen vier Metern zufriedenstellen.
Es gelang tatsächlich
Voigtländer für die Ultramatic (1961-1968) - und damit auch für die Bessamatic
(1958-1969) verwendbar - nicht nur ein Super-Dynarex 4/200 mm, sondern auch
ein Super-Dynarex 5.6/350 mm zu konstruieren. Beide Objektive waren doch wegen des Zentralverschlusses riesengroß, enorm schwer, teuer
und nur für die weite, weite Ferne verwendbar.
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Exponenten der deutschen Spiegelreflexkameras um 1960
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Voigtländer Bessamatic (1959-1969) mit Syncro-Compur
Zentralverschluss.
Darunter das 350 mm/5.6 Super-Dynarex. 95 mm Filtergewinde.
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Voigtländer Ultramatic (1961-1968) mit Synchro-Compur Zentralverschluss und dem 200 mm/4 Super-Dynarex. Im Vergleich war zum Beispiel das damalige Nikon 200mm/4 ein Zwerg.
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Die Kodak Retina Reflex (1957-?) verwendete Objektive der Firma Schneider-Kreuznach.
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Zeiss Contaflex, das Vorbild der deutschen Kamerahersteller kam 1953 auf den Markt. Synchro-Compur Zentralverschluss und nur teils auswechselbare Objektive.
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Von Marktforschung und Marktwissen keine Spur
Wären nun lange Brennweiten, hohe Lichtstärke und kurze Entfernungen den Verbrauchern ohne Bedeutung, wäre
der Zentralverschluss die ideale Wahl.
Doch so war es nicht. Nur
merkwürdig, dass niemanden es verstand oder etwas Marktforschung durchführte.
Hätten die Produzenten mindestens die damaligen deutschen Schlager gehört, anstatt
bloß der Firma Zeiss-Ikon blind zu folgen, hätten sie wohl auf die Idee kommen
können, sie waren auf dem Abstellgleis.
Waren vielleicht nicht einige der populärsten Schlager um Matrosen, Heimweh und fremde Länder?
So war es. Die Deutschen, wie auch die Bevölkerung anderer Länder, wollten in
jenen Jahren in die Ferne hinaus, auch wenn sie nur durch die Sucher ihrer
Kameras sahen. Es ging ihnen um Teleobjektive, Teleobjektive wie Ferngläser, nicht
nur um einen Vergrößerungsfaktor von 2,7 wie der eines 135 mm Objektives.
Der Zeiss-Weg, der des Zentralverschlusses, und der des zu vielen Sucher-kameras (Zeiss und Leitz) anstatt auf Spiegelreflex-Kameras zu setzen wurden der gesamten, westdeutschen Fotoindustrie zum Verhängnis,
nicht die Japaner.
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Edixa Reflex, die westdeutsche Ausnahme
Firma Gebrüder Wirgin, Wiesbaden
war die deutsche Ausnahme. Ab Mitte der 1950er Jahre war ihr Hauptprodukt die
Edixa Reflex Spiegelreflexkamera mit Schlitzverschluss und sogar
auswechselbarem Sucher.
Das Objektivangebot war durch Fremdhersteller riesengroß,
weil man von der etwas altmodischen, aber standardisierten Schraubfassung mit 42 mm Diameter Gebrauch machte.
So war im Angebot für Edixa Reflex auch Objektive von Spitzenmarken wie Schneider
und Rodenstock.
Doch die technische Qualität der Kamera war nicht die Spitze, und der
Schlitzverschluss war vom alten Typ, der sich nicht mit einem Belichtungsmesser kuppeln ließ.
Eine eigentliche Produktentwicklung hatte man jahrelang fast keine, dafür aber etliche Kleinjustierungen, und als Wirgin in den 1960er Jahren endlich eine ganz neue Spiegelreflexkamera auf den Markt
brachte (Edixa Elektronica), war sie mit dem unglückseligen Syncro-Compur Zentralverschluss
versehen!
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Edixa Reflex. Jahrelang die einzige
bundesdeutsche Spiegelreflexkamera mit Schlitzverschluss. Leider hatte sie
andere Schwächen.
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1962 lancierten Gebrüder Wirgin den Stromfresser Edixa Electronica - mit Syncro-Compurverschluss |
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Ostdeutschland
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Jenseits der Zonengrenze wurden auch Spiegelreflexkameras gebaut, Exakta Varex, die ganz billige Exakta-Tochter Exa, und Praktica plus eine Zeit lang die Zeiss Contax, die im Westen unter dem Namen Pentacon verkauft wurde. Alle hatten sie auswechselbare Objektive und Schlitzverschluss und waren dadurch die Konkurrenz in der BRD klar überlegen - mit Ausnahme von Edixa. Auswechselbare Sucher gab es für Exakta und Praktika.
Exakta wurde 1936,
also vor dem Zweiten Weltkrieg und als erste Spiegelreflexkamera der Welt
lanciert. Von Zeiss Contax Jena stammt die 42-mm-Schraubfassung, die von mehreren
Herstellern verwendet wurde, unter denen Asahi Pentax bis 1977, wo Pentax das
K-Bajonett als neuen Standard einführte.
Die Voraussetzungen
des Erfolges waren da, doch Produktentwicklung war nicht die stärkste Seite des
kommunistischen Systems, und im Westen verkauften sich Waren aus der Zone sowieso
schlecht.
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Die klassische Exakta war bis 1969 in Produktion. Grundsätzlich hatte diese Kamera alles:, Objektive aller Brennweiten, ein auswechselbares Suchersystem und sehr
viel Zubehör. Doch die Handhabung war in keiner Weise optimal, und im Vergleich zur japanischen Konkurrenz kam sie
total altmodisch vor.
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Das überragende Problem: Zu spät
Die noch am Markt verbliebenen
deutschen Spiegelreflexkameras erlebten den Übergang zum Schlitzverschluss,
aber als das geschah, war der Krieg auf dem Fotomarkt längst vorüber. Trotz
enger finanzieller Verbindungen zwischen Zeiss, Voigtländer und Rollei-Werke -
die 1970 auch auf den Kleinbildkameramarkt eingetreten war, blieben sie
Außenseiter.
In 1972 zog sich
Zeiss-Ikon aus dem Kameramarkt hinaus (kam aber 1975 wieder, doch nun in
Zusammenarbeit mit Yashica und mit der in Japan gefertigten Contax RTS).
Es herrschte interner
Konkurrenz bei Voigtländer und Rollei, und dadurch weitgehend die Inkompatibilität. Für die Verbraucher war
die Möglichkeit betreffend Objektiven „fremdgehen“ zu können wichtig, aber die
Voigtländer- und Rolleibajonett-Systeme waren Fremdobjektivherstellern zu
klein, und ein einheitliches Rollei-Voigtländer Bajonett gab es erst 1974.
Dazu kam, dass die eigenen Objektivpaletten erstmals nur den Brennweitebereich
25 mm bis 200 mm umfassten. Zu der Zeit gab es bei Nikon schon Objektive ab 6 mm bis 2000 mm. Für die Lichtmessung
musste lange abgeblendet werden (Arbeitsblendemessung), während die Japaner
alle die Offenblendemessung längst hatten. Erst 1974 gab es sie bei Rollei und
Voigtländer.
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Was geschah weiterhin mit den deutschen Kameramarken?
Um 1972 gab Firma Wirgin auf, und Edixa wurde Geschichte.
Die Marke Voigtländer besteht,
ist aber im Besitz der japanischen Firma Cosina. Im Lieferprogramm sind einige nostalgische
Filmkameras und Objektive, die auch an Leica M-Kameras verwendet werden können.
Rollei hat mehreren Strategien
verfolgt, ist aber in März 2009 in die Insolvenz getreten.
Schneider-Kreuznach liefert
Objektive für Hasselblad und einige japanische Kameramarken.
Leica ist noch da. Die M-Serie
ist weiterentwickelt geworden. Spiegelreflexkameras der Firma Leitz gibt es weiterhin auch, aber sehr spät hat
man auf digitale Fotografie umgestellt. Leitz hat eine Zusammenarbeit mit
Panasonic. Früher arbeitete man mit Minolta zusammen. Leitz hat Ende 2009 ein größeres Digitalformat 30x45 mm eingeführt und damit endlich was ganz Neues.
Die Zusammenarbeit Zeiss und
Yashica hat aufgehört, nachdem vor ein paar Jahren Yashica-Mutter Kyocera den
Fotomarkt verließ. Objektive der Marke Zeiss gibt es weiterhin und sie geniessen einen sehr guten Ruf. Unter anderen
gehört Sony zu den Kunden, und nunmehr bietet Zeiss Objektive mit Nikon-,
Canon-, Sony,- Pentax K-, Leica M- und Hasselblad-Bajonetten an. Es handelt sich um die alten, aber hervorragenden Konstruktionen, wie Planar und Distagon, aber ohne
automatische Schärfeeinstellung.
Agfa ging einige Jahre her pleite. Auf dem Markt sind auch nicht
mehr Adox, Akarelle, Arette, Baldessa, Braun München, Frankarette, Lordomat, Regula und bestimmt einige mehr.
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Lehre
- Nie die Konkurrenz unterschätzen.
- Nie glauben, man hat den besten Produkt der Welt.
- Immer wissen was die Konkurrenz macht.
- Immer wissen, was sich die Verbraucher wünschen.
- Sich immer auf dem neuesten Stand halten.
- Die Anforderungen der Verbraucher erfüllen und zwar besser als die
Konkurrenz.
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